LAP Harz

Der Dachverein Reichenstrasse e.V. beteiligt sich im Rahmen des “Lokalen Aktionsplanes Harz” des Bundesprogrammes “Vielfalt tut gut” mit 2 Projekten!

Monitoringprojekt “Blickpunkt Harz"

Rechtsextreme treten einerseits, bspw. mit Aufmärschen, Propagandaaktionen bei Volksfesten oder Plakat- und Aufkleberaktionen, sehr selbstbewusst in die Öffentlichkeit. Andererseits gibt es aber auch eine eher versteckte Ebene ihrer Aktivitäten. So ist es heute selbst Expert/innen angesichts der Differenziertheit und Dynamik der Szene kaum möglich, jedes extrem rechte Symbol als solches zu erkennen. Dadurch wird die Abgrenzung nach außen unterstützt. Außerdem finden viele der für den Szenezusammenhalt wichtigen Aktivitäten in informellen Treffpunkten, Kneipen oder Jugendklubs statt. Zweck dieser der Öffentlichkeit mehr oder weniger verborgenen Aktivitäten ist der Aufbau einer Infrastruktur, die Verabredung von Aktionen und die Rekrutierung von Nachwuchs.Rechtsextreme Gewalttaten richten sich in der Mehrzahl gegen gesellschaftliche Minderheiten, weshalb der sogenannte Mainstream der Bevölkerung nicht betroffen ist und diese nicht oder nur bedingt wahrnimmt. Viele dieser Gewalttaten werden von den Betroffenen nicht angezeigt, weil diese Angst vor Rache oder kein Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden haben. Auf der anderen Seite gibt es aber aufmerksame Bürger/innen, Sozialarbeiter/innen, Jugendliche etc., die sehr wohl auch rechte Gewalttaten und nicht-öffentliche Aktivitäten der rechtsextremen Szene wahrnehmen. Und auch im ländlich geprägten Harzkreis kennen sich (potentiell) von rechtsextremer Gewalt Betroffene, wie Asylbewerber/innen, Migrant/innen, Behinderte, nicht-rechte Jugendliche usw. oft untereinander, so dass bei ihnen Informationen über Diskriminierungen und Übergriffe zusammenfließen. Allerdings sind die entsprechenden informellen Netzwerke nicht so ausgeprägt wie in großen Städten und fühlen sich oftmals nicht ernstgenommen, weshalb sie Unterstützung benötigen.Im Gegensatz zu anderen Regionen existiert im Harz kein direkter Anlaufpunkt der Mobilen Beratung für Opfer rechter Gewalt von Miteinander e.V. (MOB). In den letzten Jahren ist das Netzwerkprojekt des Dachvereins Reichenstrasse aber als Vermittler hierfür aufgetreten.

Das Monitoring-Projekt „Blickpunkt Harz“ hat das Ziel, Informationen über rechtsextreme Aktivitäten im Harzkreis zu erfassen, nach zu recherchieren und zu bewerten, um so ein möglichst umfassendes Bild zu erarbeiten. Dies sollte Grundlage für die Weiterentwicklung des LAP sein und verhindern, dass die Aktivitäten innerhalb des LAP an den tatsächlichen Problemlagen im Kreis vorbeigehen.

Das Projekt beruht auf vier Säulen

- der intensiven Recherche / Auswertung von offenen Quellen
  (z.B.: Zeitungsberichte, Pressemitteilungen der Polizei),
- der Vernetzung von zivilgesellschaftlichen Initiativen gegen
  Rechtsextremismus,
- dem regelmäßigen Austausch von Informationen mit Jugendsozial-
  arbeiter/innen, Vertreter/innen öffentlicher und freier Träger
  der Jugendhilfe, Vertreter/innen nichtrechter Jugendkulturen und
  Migrationsberater/innen,
- dem (eng mit der MOB abgestimmten) Unterstützen von (auch potentiell)
  von rechtsmotivierter Gewalt Betroffenen durch Kontaktvermittlung
  und Vorort-Betreuung.

„Blickpunkt Harz“ schafft die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Ansatz des gesamten LAP, in dem es dafür Sorge trägt, dass der LAP seine Zielrichtung und sein Engagement an den bestehenden Problemen und lokalen Brennpunkten orientiert. Durch eine breit angelegte und abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit wird der Versuch unternommen, eine breitere Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zu aktivieren.Das Monitoring-Projekt „Blickpunkt Harz“ sollte über den hier beantragten Zeitraum hinaus weiter Bestandteil des LAP bleiben.

Sie erreichen uns unter 03946 - 26 40 bzw. 03946 - 90 19 582 oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können

Wissenspool "Mediathek"

Bei der Suche nach aktuellen Einschätzungen zum historischen Nationalsozialismus und aktuellen Erscheinungsformen von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus findet man meist ein sehr begrenztes Angebot. Öffentliche Bibliotheken bspw. sollten einen thematisch sehr breitgefächerten Bestand vorhalten. Auch aufgrund der finanziellen Möglichkeiten ist es ihnen aber nicht immer möglich, spezielle, gesellschaftliche Themen umfangreich zu bedienen. Dies übernehmen in der Regel spezialisierte Bibliotheken, auf die interessierte Personen zugreifen können.

Seit dem Jahr 2002 wird im KUZ Reichenstrasse eine solche Spezialbibliothek kontinuierlich ausgebaut, vorrangig mit Literatur und E-medien zur Thematik "Lesbisch-Schwule Lebensweise". Neuer Themenschwerpunkte wird hierbei der benannte Bereich Rechtsextremismus/Antisemitismus.

Es wird aktuelle Fachliteratur ebenso vorgehalten wie Standardwerke, die von allen Interessierten kostenfrei ausgeliehen werden können. Dadurch werden themenbezogene Grundlagen zu historischem und aktuellem Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus einem breiten Kreis zugängig gemacht.
Gleichzeitig bietet sich so die Gelegenheit zu Gesprächen zum Themenkomplex.
Gerade für Schulen kann das Angebot der Bibliothek von hohem Wert sein. Die Öffentlichkeit wird informiert über einen neu zu erstellenden Flyer und die Angabe der angeschafften Titel auf der Homepage des Dachvereins. Zusätzlich erhalten alle öffentlichen Bibliotheken eine tabellarische Liste der Titel, mit der Möglichkeit, Interessenten an uns zu verweisen oder eine Fernleihe zu ermöglichen. Die Machbarkeit und Vorgehensweise dazu wird derzeit mit den teilnehmenden Bibliotheken noch besprochen.

Dieses Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms
„VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie"
durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Nähere Informationen dazu erhalten Sie unter www.vielfalt-tut-gut.de

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 20.11.2007 über den Lokalen Akktionsplan Harz:

Lokaler Aktionsplan unterstützt Dachverein Reichenstraße Quedlinburg
Projekte gegen Rechts im Harz sind im Aufbau

(von unserer Redakteurin Rita Kunze)

Quedlinburg/MZ. Die Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in der Region will der Quedlinburger Dachverein Reichenstraße in einem so genannten Monitoring-Projekt beschreiben. Finanzielle Unterstützung bekommt er vom Bund, der den Lokalen Aktionsplan Harz mit insgesamt rund 100 000 Euro Fördermitteln unterstützt. In diesen Aktionsplan integriert ist das Monitoring-Projekt, das im Dezember gestartet und zunächst bis August 2008 geführt wird.

Der Dachverein will vor Ort auch der erste Ansprechpartner für Opfer rechter Gewalt sein, sagt Vereins-Geschäftsführer Stefan Helmholz und verweist auf die aktuelle Einrichtung einer mobilen Opferberatung. Von dort aus würden dann Kontakte zur Opferberatung in Magdeburg und Halle hergestellt. Das Projekt sieht auch die Einrichtung von festen Anlaufstellen zur Opferberatung in Halberstadt und Ilsenburg vor, denn es konzentriert sich auf das Gebiet der drei Altkreise Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode. Die neuen Standorte sollen bereits im Dezember ihre Arbeit aufnehmen.

Neben der Opferberatung stehen unter dem Motto "Blickpunkt Harz" Recherchen über die rechte Szene im Mittelpunkt des Projektes, sagt Stefan Helmholz weiter: "Das ist ein Punkt, der hier bisher gefehlt hat." Neben der aktuellen Beobachtung der Szene sollen vor allem auch die vielen im Harzkreis vorhandenen Initiativen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit vernetzt werden und Sozialarbeiter die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch haben.

Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie

Über den Lokalen Aktionsplan Harz bekommt der Dachverein Reichenstraße auch finanzielle Hilfe zum Aufbau einer Mediathek. Darüber wurde im Kultur- und Sozialausschuss des Stadtrates informiert. Die Mediathek soll Fachliteratur über den Aufbau und die Struktur rechtsextremer Gruppen für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Des weiteren werde der Förderverein der Berufsbildenden Schulen "J. P. C. Heinrich Mette" in der Einrichtung von Kommunikations- und Deeskalationsräumen unterstützt.